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The International Wine & Spirits Fair 2003, London

Allein die Zahlen sprechen für sich: 1.200 Aussteller, und beinah 15.000 verschiedene zu verkostende und zu kaufende Weine und Spirituosen wurden im modernen Excel-Center in einem der boomendsten Stadtteile Londons angeboten! Es war daher unmöglich, auch nur den Anschein eines repräsentativen Querschnitts zu erhaschen, wir mussten uns auf neue, interessante und von uns persönlich gesuchte Weine und Lieferanten beschränken.

Vorab ist es auch, oder vielleicht gerade, in der Weinbranche so, dass die weltweit recht schwierige Wirtschaftslage immer deutlicher den Weinhandel unter Druck setzt, andererseits ist die Flut an neuen (guten) Weinen von bis dato noch nicht so bekannten Weinländern enorm, was den Markt zusätzlich unter Druck setzt. Es geht bei den meisten Lieferanten, einmal abgesehen von der Handvoll internationaler Topweinen, um Hardselling, verkaufen auf Teufel komm raus! Immer stärker sind Produzenten, Händler und nat. und reg. Organisationen gefordert, klassisches Marketing in all seinen Facetten einzusetzen. Die Zeiten, auch in Bordeaux, des Bittstellers (Kunde) vor den großen Namen (Produzent, Handel) sind vorbei. So berichteten einige Courtiers aus Bordeaux, wie es erstmals in der Geschichte des komplizierten, und nach wie vor etwas blasierten und dekadenten, Weingeschäftemachen in Bordeaux so war, dass sie (die Courtiers) auch bei den großen Namen die Preise diktierten, und nicht mehr nur umgekehrt!

Hier sei angemerkt, dass die drastischen Preisverfälle in Bordeaux 2002 zu 2001, vor allem aber zum hochgelobten Jahrgang 2000, sicherlich ein Signal an die gesamte Weinwirtschaft bedeuten, was ein leichtes Sinken, oder zumindest ein Abfedern einiger oft exorbitanter Preisentwicklungen nach sich ziehen wird.

Generell kann man sagen, dass die „arrivierten“ Weinländer wie Frankreich, Italien, Spanien, auch USA und Australien verstärkt „guttrinkbare“ und „leistbare“ Konkurrenz aus dem eigenen Land (Vin de Pays in Frankreich, Süditalien etc.), oder aus neu auf den Plan getreten Weinländern wie Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Südamerika etc. sich zu messen haben werden.

So haben uns, wenn auch meist vom Namen und der Rebsorte wahrscheinlich schwierig zu verkaufen, viele Toprotweine aus dem „Neuen Osten“, wie auch einige tolle weisse Preis-Leistunghits aus Ungarn überzeugt! Enormer Druck kommt nach wie vor aus der „Neuen Welt“, hier allen voran Australien. Bei einer Sonderveranstaltung im Rahmen der Messe wurden wir von den Firmen „Penfolds“ und „Rosemount“ eingeladen, einer von den beiden Kellermeistern durchgeführten Verkostung teilzunehmen: Einerseits ist es immer wieder faszinierend, welch anderen, ja vielleicht sogar direkteren Zugang die „Aussies“ zum Thema Wein haben, andererseits ist die Qualität, von guten einfachen Qualitäten, zu absoluten Weltstars wie „Grange“ von Penfolds oder „Balmoral“ von Rosemount in Summe gesehen enorm. Und wer hätte vermutet, das auch die Trauben dieser beider letztgenannten Superstars, alle Jahre von unterschiedlichen Weingärten, die oft tausende von Kilometern auseinanderliegen, kommen können! „Multi-Regional-Wines“ – so einfach erklärte das Andrew Baldwin von Penfolds mit einem Lächeln! Und das mich der kleine Kostschluck „Grange 1998“ auch noch nach Stunden, einigen Kaffees, Zigaretten, einem Burger und einigen Bieren, noch immer am Gaumen an frische Heidelbeeren erinnerte, fand ich schon sehr beeindruckend!

Erstaunlich fanden wir auch, einmal ganz abgesehen von der generellen „Inflation“ in Bordeaux, die immer breiter werdende Anzahl, an gut gemachten, gebietstypischen Bordeauxweinen um sensationell wenig Geld! Das gleiche gilt für Italien, wo aus Mittel/Süditalien hervorragende Weine auf den Markt drängen, wobei mich der unnahbar elegante, und tiefgründige „Vino Nobile Grandi Annate 1997“ von Avignonesi zu tiefst imponierte und berührte – was für eine monolithische Erscheinung!

Im Bereich „Fortified Wines“ scheint es, dass der Port-Boom weiterhin anhält, aber Sherry langsam, aber doch, wieder an Bedeutung gewinnt. Generell scheint es aber auch, dass der „hochprozentige“ Teil des Geschäftes es sicherlich nicht leichter zu haben scheint, von einzelnen, wenigen Ausnahmen abgesehen, bietet der Markt viel Traditionelles, aber wenig Neues! Auch die Zahl der schottischen Distilleries ist leider nach wie vor im Sinken ......

Deutscher Wein kämpft nach wie vor mit seinen alten Handicaps wie „Blue Nun“ oder halbsüßen bis süßen „Riesling-Getränken“, auch wenn beteuert wird, dass nach wie vor einge der teuersten Weine der Welt aus dem Rheingau kommen, tut sich die innovative deutsche Weinwirtschaft international sehr schwer.

Der globale Blick auf das Weinland Österreich ist sehr zwiespältig: Einerseits, angeheizt von Verkostungen, wie der legendären der „Financial Times“ Anfang dieses Jahres, hat sich der österreichische Wein bei „Weiss“ und „Süß“ einen großen Namen gemacht, auch nahm man erstmals international Notiz von den „Roten“, andererseits wird Österreich von vielen einfach übersehen, oder schlicht und einfach mit Ungarn, Bulgarien etc. in einen Topf geworfen. Umso verwunderlicher war es, dass in einem Londoner Innenstadtlokal auf einer mittleren Weinkarte sich ein „Riesling“ aus dem Burgenland um sagenhafte 33 Pfund befand, der sich als einfacher „Welschriesling“ mit wenig Profil entpuppte, da liegt wohl noch viel Arbeit für die österr. Weinwirtschaft an .......

1.200 Aussteller und 15.ooo Produkte!
1.200 Aussteller und 15.ooo Produkte!

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